Am 27. und 28. März 2026 lud das Wendisch-Deutsche Heimatmuseum Jänschwalde/Janšojce zu einem besonderen Wochenende rund um den Blaudruck ein. Die Veranstaltung stand im Zeichen des Wissensaustauschs, der generationsübergreifenden Begegnung und der Bewahrung einer fast vergessenen Handwerkskunst. Organisiert wurde es von der Praxisforschungsstelle Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg, dem Projekt „Inwertsetzung immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext“ und dem Heimatmuseum.
Ein Höhepunkt: Die Cottbuser ehemalige Blaudruckerin Frau Rühtz-Müller war vor Ort und berichtete von ihrer Arbeit – ein seltener Einblick in ein Handwerk, das in der Lausitz tief verwurzelt ist.

Blaudruck: Mehr als nur eine Färbetechnik
Blaudruck ist nicht einfach nur eine traditionelle Textilfärbemethode – er ist ein Stück lebendige Kulturgeschichte. Eng verbunden mit den Bild- und Trachttraditionen der Lausitz, erzählt er Geschichten von Handwerkskunst, regionaler Identität und dem Wandel der Zeit. Lebendig ist der Blaudruck in der sorbischen/wendischen Tracht. Doch mit dem Rückgang gewerblicher Produktion droht auch dieses Wissen verloren zu gehen. Viele der letzten aktiven Blaudruckenden sind bereits im Ruhestand, und ihr Know-how ist gefährdet.
Genau hier setzt das Blaudruck-Wochenende an: Es geht darum, Erinnerungen zu sammeln, Wissen weiterzugeben und neue Wege für den Erhalt dieses immateriellen Kulturerbes zu finden.
Erzähl-Café: Wo Geschichten lebendig werden
Den Auftakt machte am 27. März um 15 Uhr das Erzähl-Café – ein offenes Format, bei dem Kaffee, Kuchen und persönliche Erinnerungen im Mittelpunkt standen. Unter der Moderation von Jörg Ackermann (Mitglied des Lenkungskreises des Inwertsetzungsprojektes) teilten Besuchende ihre persönlichen Erfahrungen mit Blaudruck: Wie haben sie das Handwerk kennengelernt? Welche Rolle spielte es in ihrem Leben? Und was bedeutet es für die Region?
„Zum Erzähl-Café sind alle willkommen – ob zum Erzählen oder einfach nur zum Zuhören„, betonte Ackermann. Das Format war bewusst niedrigschwellig gestaltet, um Hemmschwellen abzubauen und einen authentischen Austausch zu ermöglichen.
Ein besonderer Dank gilt der ehemaligen Blaudruckerin Frau Rühtz-Müller und allen, die ihre Geschichten geteilt haben – denn sie sind es, die den Blaudruck am Leben halten.
Wer nach dem Erzähl-Café noch nicht genug hatte, konnte außerdem einen Blick in die entstehende Experimentierwerkstatt werfen – ein Ort, an dem künftig regelmäßig Blaudruck-Vorführungen und Workshops stattfinden sollen.




Workshop: Indigo zum Anfassen
Am 28. März ging es dann praktisch weiter und zwar zunächst mit einem traditionellen Ostereiermalen im Museum.
Danach lernten die Teilnehmenden das Färben mit Indigo. Unter der Anleitung von Petra Jordan lernten die Teilnehmenden, wie aus weißem Stoff durch den Einsatz von Pflanzenfarbstoffen und Reservetechniken die typischen Blaudruck-Muster entstehen. (Leider waren die Plätze bereits vergeben – aber es soll weitere Workshops geben!)


Warum dieses Wochenende wichtig war
Das Blaudruck-Wochenende hat gezeigt, wie lebendig Traditionen sein können, wenn man sie sichtbar und erlebbar macht und Menschen zusammenbringt. Ob beim Erzählen, Zuhören, Färben oder Gestalten – am Ende ging es um mehr als nur um Stoff und Farbe. Es ging um Identität, Gemeinschaft und die Frage, wie wir Kultur bewahren können, ohne sie einzufrieren.
Das Blaudruck-Wochenende war mehr als nur ein Event – es war ein Beitrag zur Bewahrung regionalen Kulturerbes. Die Praxisforschungsstelle Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Wissen zwischen den Generationen weitergegeben werden kann. Denn Handwerk wie der Blaudruck lebt nicht nur von Techniken, sondern auch von Geschichten, Erinnerungen und persönlichen Erfahrungen.
Das regionale und individuelle Wissen der älteren Generation sichtbarer machen und zu überlegen, wie dieses Wissen weiter gegeben werden kann war Anliegen des Projektteams. Gleichzeitig geht es darum, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern – sei es durch praktische Workshops, Erzählformate oder die Einrichtung einer dauerhaften Blaudruckwerkstatt in Jänschwalde. Langfristig soll hier nicht nur gefärbt, sondern auch vieles ausprobiert werden.
Organisiert wurde das Wochenende von der Praxisforschungsstelle Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg im Projekt Alterperimentale, dem Projekt „Inwertsetzung immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext“ und dem Wendisch-deutschen Heimatmuseum Jänschwalde/Janšojce.